Partizipation

IMG_0775Partizipation in der Kita

Kinder an vielen Entscheidungen, die sie unmittelbar betreffen zu beteiligen, ist in unserer Kita fest verankert.

Die Entscheidung, wann, wo und mit wem zu spielen, ist zum Beispiel durch die freie Spielzeit gewährleistet.

  • Unsere Kinder sind informiert – durch Vollversammlungen und feste Redezeiten in den Gruppentreffen.

Ihrem Alter entsprechend legen sie gemeinsam mit ihrer Erzieherin Projektthemen und Aktionen fest.

Demokratische Wahlverfahren und Abstimmungen gehören zum normalen Alltag in der Kita.

Umfragen und Interviews geben Aufschluss über Themen und Konflikte, die Kinder beschäftigen.

Dennoch gibt es viele Situationen und Abläufe, die wir Erwachsenen bestimmen, und manchmal ist es durchaus sinnvoll, mehr und häufiger mit Kindern zu verhandeln. Die Teilhabe von Kindern an der Gestaltung ihres Lebens in der Kita ist seit vielen Jahren wichtiger geworden. Nicht erst seit der Implementierung des Hessischen Bildungsplanes ist uns Pädagogen klar, dass die Kita noch umfassender als bisher zum Übungsfeld für soziale Interaktion werden muss. Immer mehr Kinder leben überwiegend in Familien mit wenigen Geschwistern, oft ohne Großeltern oder weitere Verwandten in der Nähe. Damit gehören soziale Kontakte zu unterschiedlichen Menschen in verschiedenartigen Lebenssituationen nicht mehr wie früher zum Erfahrungshorizont unserer Kinder. Da ist die Kita gefragt! Hier gibt es nämlich ein buntes Angebot an Kontakten und Lebensformen, vielfältigen Kulturen und individuellen Vorgeschichten. Nicht nur für Kinder bietet dieser Reichtum genügend Potential für die Erweiterung der eigenen Erfahrungen.

Da sich viele Kitas auch als Kommunikationsmittelpunkt im Stadtteil sehen und Eltern ganz selbstverständlich als Erziehungspartner und Mitgestalter begreifen, entstehen gerade hier zwischen vielen Familien Beziehungen, die sich oft zu langjährigen Freundschaften entwickeln. In diesem Klima fühlen sich Kinder wohl. Sie sehen und spüren, dass Eltern und Fachkräfte im Wesentlichen in Erziehungsfragen übereinstimmen. In der Kita können sich Kinder in ganz anderen Zusammenhängen erleben, sie orientieren sich an anderen, schlüpfen in verschiedene Rollen, beobachten, imitieren und entwickeln oft ungeahnte Talente und Begabungen. Im besten Fall fühlen sich Kinder in der Kita auch zu Hause und haben enge Beziehungen zu Freunden und Erzieherinnen. Das Leben bei uns ist beileibe nicht konfliktfrei. Hier gelten Gesetze und Regeln zum Schutz aller Kinder und täglich muss neu ausgehandelt werden, wie weit die persönliche Freiheit reicht und wo sie mit der Freiheit eines anderen kollidiert. Viele gute Gründe also, um verstärkt Partizipation im Alltag zu leben. Teilhabe bedeutet für uns, dass sich alle Beteiligten aktiv einbringen, damit sich das soziale Leben in der Kita permanent weiterentwickeln kann.

Partizipation in der Kita bedeutet vor allem, sich selbst als Mitglied einer Gemeinschaft wahrzunehmen, die eigenen Interessen nicht über die der anderen zu stellen, Konflikte angemessen zu lösen, sich für eine Gruppe einzusetzen, Kompromissfähig zu werden und sich in demokratischen Strukturen einzuüben. Schon junge Kinder erfassen sehr schnell, was Recht und Unrecht ist, wollen ernstgenommen werden, sich beteiligen und Verantwortung übernehmen. In der Kita müssen daher die entsprechenden Strukturen geschaffen und im Alltag verankert werden. Neben einer wertschätzenden Grundhaltung ist ständiger „echter“ Austausch Voraussetzung für das  gemeinsame Miteinander.Die Zugehörigkeit sowohl zur Großgruppe der Konfettis als auch zur entsprechenden Altersgruppe vermittelt unseren Kindern von Anfang an, dass über die Gruppe hinaus eine Zusammengehörigkeit besteht, die Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Sie werden in der Großgruppe von allen wahrgenommen und können besonders im Rahmen ihrer Altersgruppe mitentscheiden. Das ist schon den Jüngsten wichtig.

Konkrete Teilhabe in unserer Kita:

  • Unsere Kinder können selbst entscheiden, ob, wann mit wem und was sie frühstücken. Sie gestalten das Buffet mit und treffen Entscheidungen bei der Auswahl des Angebotes.
  • Sie nehmen an der täglichen Vollversammlung teil, moderieren die Veranstaltung, informieren und  teilen Wissenswertes. Was Wissenswert ist, klären Sie selbst in der Vorbereitung des Versammlungsprotokolls.
  • Sie übernehmen Aufgaben im Küchenbereich und räumen selbstständig ab.
  • Sie werden ermuntert, Dinge selbstständig zu tun und trauen ihnen viel zu.
  • Sie entscheiden während der freien Spielzeit, wo, mit wem, und womit sie spielen
  • Sie erleben Verbindlichkeit und Rituale.
  • Sie kennen ihren „Spielraum“ und ihre “ Entscheidungsbefugnisse“.
  • Sie führen Gesprächsrunden mit ihren Erzieherinnen im Gruppentreffen und gestalten in Absprache mit ihr das Programm.
  • In der Vorbereitung von Festen und Feiern entwickeln sie Ideen und tragen damit aktiv zum Gelingen bei.
  • Streit und Konflikte werden in Gesprächsrunden diskutiert, bis die Ursache feststeht, eine Lösung für die Kontrahenten gefunden wird und der Konflikt für alle zufriedenstellend beigelegt werden kann.
  • Wir moderieren im Streitgeschehen und greifen nur dann ein, wenn Kinder um Hilfe bitten.
  • Wir schauen nicht weg.
  • Wiederkehrende Konflikte werden in der Vollversammlung öffentlich gemacht und gemeinsam besprochen.
  • Je nach Alterszugehörigkeit übernehmen Sie mehr und mehr Verantwortung in ihrem Alltag.
  • Ideen unserer Kinder greifen wir grundsätzlich auf und versuchen sie umzusetzen
  • Wir fordern Kinder ihrem Alter entsprechend auf, Vorschläge im Plenum einzureichen und sammeln ihre Beiträge
  • Kinder müssen Wahlmöglichkeiten haben. Sie haben ein Anrecht auf plausible Erklärungen, warum der Erwachsene die Entscheidung trifft, wenn die Teilhabe der Kinder nicht möglich ist.
  • Wir können bei Abstimmungen überstimmt werden
  • Wir erläutern die Gesetze regelmäßig – sie sind nicht verhandelbar
  • Regeln und Absprachen können dagegen jederzeit auf den Prüfstand und gegebenenfalls erneut beschlossen oder verworfen werden- hier müssen alle einverstanden sein.

Für  uns Erzieherinnen ist dies natürlich eine anspruchsvolle Aufgabe. Wir müssen uns mehr als Entwicklungsbegleiter und nicht als Bestimmer, Macher, Chef begreifen, müssen lernen, Kinder Fehler machen zu lassen ( auch und gerade, wenn wir das Misslingen kommen sehen) wir müssen uns auf Kinder und ihre Gedanken vollkommen einlassen, aufrichtige Beziehungen eingehen und möglichst alle Kinder im Blick haben. Für uns bedeutet die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema auf jeden Fall die Erkenntnis, dass Kinder ein Beschwerdemanagement brauchen. Wenn wir nicht wollen, dass sie ungehört „meckern“ müssen wir Ihnen mehr als bisher Gehör schenken, sie fragen, Projektabläufe und Aktionen bewerten lassen – und ihre Kritik aushalten.